Tölzer Kurier vom 18. Oktober 2006

 

Auch ohne Lichtschalter Visionen  

Benediktbeurer Management-Gespräche finden wachsendes Interesse

Benediktbeuern – Visionen bestimmen die Tagesordnung der 16. Benediktbeurer Management-Gespräche. Im Laufe der Jahre ist die anfangs kleine und überschaubare Runde mit Vertretern aus Wirtschaftsunternehmen und Führungskräften in sozialen Einrichtungen zu einem stattlichen Forum mit heuer 44 Teilnehmern gewachsen. Der Dialog finden ungebrochen starkes Interesse. "Unternehmensvisionen - Motor oder Bremsklotz?" war Thema der jüngsten Diskussionsrunde.

Auf die Feststellung, dass Visionen nicht am Grünen Tisch erfunden werden können, sondern immer schon Teil der Unternehmenskultur seien, konnte sich die Runde rasch verständigen. Visionen müssten zwar von der Unternehmensführung entwickelt werden, für ihre Umsetzung in der alltäglichen Arbeit müssten sie aber von der ganzen Belegschaft getragen werden.

Bei Unternehmensfusionen können daraus besondere Schwierigkeiten erwachsen, "wenn bestimmte, bisher wichtige Visionen plötzlich ungültig werden oder sich mit anderen Visionen vermengen", formulierte Dr. Egon Endres, designierter Präsident der Katholischen Stiftungsfachhochschule. Endres ist Veranstalter der Management-Gespräche, zusammen mit der Firma MICHAELTHIESS Management Consultants aus München.

Eine Vorstellung von den Schwierigkeiten bei der Entwicklung einer tragfähigen Vision für das Unternehmen vermittelte ADAC-Geschäftsführer Stefan Weßling, München. Als großer Verein sei der ADAC seinen Mitgliedern verpflichtet, als Aktiengesellschaft seien aber auch die Interessen der Aktionäre, der Mitarbeiter und der Unternehmensführung zu berücksichtigen.

Visionäres, dessen Wurzeln im Kloster Benediktbeuern ausgegraben wurden, lieferte im Anschluss an die Konferenz Pater DDr, Leo Weber mit einer Einführung in das "Wirken von Joseph von Fraunhofer in seiner Benediktbeurer Zeit". Durch den genialen Glasschleifer, Glasschmelzer und Feinmechaniker sei Benediktbeuern in den Jahren 1807 bis 1808 zu einem Zentrum der optischen Wissenschaft geworden. Dass Webers Vortrag über den berühmten Benediktbeurer Lichtforscher im Dunkeln stattfinden musste, weil der Lichtschalter in der historischen Glashütte nicht auffindbar war, sorgte für einige Heiterkeit unter den Gästen. "Ich leuchte Ihnen den Weg, damit Sie nicht stolpern", zeigte sich Weber von dem kleinen Missgesschick unbeeindruckt. 

 

 

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