Tölzer Kurier vom 27. Oktober 2003

 

An der Spitze ist man immer einsam
Benediktbeurer Management-Gespräche bringen Führungskräfte zusammen


Benediktbeuern – Was haben Entscheidungsträger von Wirtschaftsunternehmen und von sozialen Organisationen gemeinsam? Auf den ersten Blick nichts. Auf den zweiten Blick könnten sie allerdings viel voneinander lernen. Rund 50 Manager aus beiden Bereichen trafen sich am Freitag zum zehnten Mal im Zentrum für Umwelt und Kultur (ZUK) in Benediktbeuern, um die Berührungspunkte zwischen den beiden Welten zu intensivieren.

Die Benediktbeurer Management-Gespräche entstanden auf Initiative von Unternehmensberater Michael Thiess und von Prof. Egon Endres, Dekan der Katholischen Stiftungsfachhochschule (KSFH). „Führungskräfte von sozialen Organisationen haben meist ein verkrampftes Verhältnis zur Macht“, sagte Endres. Mit ihren Kollegen von Wirtschaftsunternehmen verbindet sie jedoch, dass man an der Spitze stets einsam ist und in einem turbulenten Umfeld Entscheidungen treffen muss. Michael Thiess hatte noch ein paar andre Beispiele parat: Wirtschaftsunternehmen geben viel für die Intensivierung von einem „Wir-Gefühl“ aus, welches in sozialen Organisationen schon vorhanden ist. Diese empfinden das Gefühl aber manchmal als Last und betrachten es bei wichtigen Entscheidungen als Hindernis. Grundsätzlich, so monierte ‚Thiess, würde man Sozialeinrichtungen oft eine gewisse Nichtprofessionalität unterstellen, welche dazu führe, dass das Leistungssystem nicht entsprechend wahrgenommen werde.

Das kann unter Umständen zum Kollaps führen, so Thiess, Die beiden Initiatoren haben in den vergangenen Jahren immer wieder „Praktikumsplätze“ für Führungskräfte vermittelt, beispielsweise arbeitete Elmar Baur, Vorsitzender der Geschäftsführung von Burgmann in Wolfratshausen, einige Tage bei den Oberland-Werkstätten in Gaißach. Dadurch entstanden so genannte Netzwerke. Der Erfahrungsaustausch fand am Freitag hinter verschlossenen Türen statt. Dei Erfahrungen sind sehr persönlich und über Firmeninterna spricht nicht jeder gerne in der Öffentlichkeit, sagte Endres. Teilnehmer waren unter anderem Horst Harnischfeger, Generalsekretär des Goethe Instituts, Hermann Metsch, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Bad Tölz-Wolfratshausen und Karlheinz Sämann, Leiter von Management, Consulting und Personal bei Siemens. Außerdem beteiligten sich Sr. Hanna Remke aus Schlehdorf, Prof. Franz Schmid von der KSFH und P. Heiner Heim, Provinzökonom der Salesianer an der Diskussion.

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