Münchner Merkur vom 12. März 2003

 

Gehetzt, zufrieden, aber krank
Benediktbeurer Management-Gespräche untersuchen die Entschleunigung

Benediktbeuren – Über das Tempo in Organisationen und die Möglichkeiten von Entschleunigung diskutierte ein bunt gemischter Teilnehmerkreis bei den 13. Benediktbeurer Management-Gesprächen. Das Spektrum der Teilnehmer reichte von Vertretern der Pharma-Industrie bis hin zu den Banken und Wohlfahrtsverbänden, beschreibt Prof. Dr. Egon Endres den illustren Kreis der Manager. Der Dekan der Katholischen Stiftungshochschule (KSFH) in Benediktbeuren organisiert die Management-Gespräche in Zusammenarbeit mit den Michael Thiess Management Consultants, München.

Die Meinungen, wie man auf den wachsenden Zwang zu schnellen Entscheidungen reagieren soll, gingen bei den Teilnehmern weit auseinander, fasste Prof. Dr. Endres den Verlauf der Tagung zusammen. „Einige Teilnehmer plädierten für eine weitere Beschleunigung, um die eigene Organisation im Konkurrenzkampf zu retten. Andere wollen das System entschleunigen, weil viele dem Tempo nicht mehr gewachsen sind.“

Dabei sind dem Einfluss der einzelnen Akteure ohnehin enge Grenzen gesetzt. „Man muss genau schauen, wo man das Tempo selbst bestimmen kann, und wo es von außen vorgegeben wird. Eine Entschleunigung ist überhaupt nur das möglich, wo man selbst Einfluss hat.“ Auffallend ist laut Prof. Dr. Endres, dass das Phänomen sich beschleunigender Arbeitsabläufe nicht nur die Industrie betrifft, sondern gleichermaßen im Dienstleistungsbereich und bei den Wohlfahrtsorganisationen auftritt.

Erfolgreich agierten häufig die Unternehmen, denen es gelingt, sich in der Entscheidungsphase genügend Zeit zu nehmen, die Ergebnisse dann aber schnell umzusetzen. Die Auswirkungen beschleunigter Lebensabläufe auf das Wohlbefinden der Menschen ist durchaus ambivalent, wenn man den Ergebnissen einer amerikanischen Studie glaubt. Die Sozialpsychologen haben herausgefunden, dass die Menschen an schnell-lebigen Orten zufriedener sind. Gleichzeitig sei dort aber die Gesundheitsgefährdung durch Herzerkrankungen und Suizide besonders hoch.

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